Geistlicher Impuls

Liebe Mitchristen,

Der Monat Juni ist von zwei hohen Festen geprägt: dem Fronleichnamsfest (= Hochfest des Leibes und Blutes, 8. Juni) und dem Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu (16. Juni, am Freitag nach der „Fronleichnamswoche“). In dieser Woche, nämlich am 9. Und 10. Juni, werden viele junge Christen unseres Pastoralen Raumes die Firmung empfangen, ein Anlass, sie besonders im Gebet zu begleiten!

Gleich 3 Kirchen in unserem Pastoralen Raum sind dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht: Bergen, Nunkirchen und Löstertal. In der Erbauungszeit dieser Kirchen war die Herz- Jesu- Verehrung so populär, dass man dieses Patrozinium gern wählte. Anlass auch für uns heute, uns auf den Inhalt dieses Devotionsfestes zu besinnen!

Im Zentrum der Herz- Jesu- Verehrung steht Christus, der Erlöser, in dessen Herz die göttliche Liebe wohnt. Sein Herz wurde am Kreuz durchbohrt, und „es strömten Blut und Wasser heraus“. So berichtet es der Evangelist Johannes (19,34-37). Das Herz eines Menschen meint in der Sprache der Bibel sein Innerstes, das Zentrum seines Willens, den Ursprung und die Mitte seiner Person und seines Handelns. Herz bedeutet mehr als ein Organ des Körpers. Bereits der Evangelist Johannes hält gleichsam inne beim Anblick des Erlösers, der gerade sein Leben hingegeben hat, und will unseren Blick auf ihn lenken, damit wir erkennen: Hier ist das Herz, das uns so sehr geliebt hat.

Die Kirchenväter haben in der Frühzeit des Christentums das Blut gedeutet auf die Eucharistie und das Wasser auf die Taufe. Theologen des Mittelalters, besonders aber Mystiker des 13. Und 14. Jahrhunderts, vertieften ihre Beziehung zu Jesus im Gebet und versuchten in Worte zu fassen, was dies für die Menschen bedeutet (z.B. Mechthild von Magdeburg, Gertrud von Helfta, Heinrich Seuse).

Ende des 17. Jahrhunderts, besonders in den Jahren 1673 – 75, empfing die französische Ordensfrau Margareta Maria Alacoque in der burgundischen Stadt Paray- le – Monial besondere persönliche Offenbarungen über das Herz Jesu. Als Ordensschwester vertraute sie dies ihrem Beichtvater, dem Jesuitenpater Claude La Colombière, an. Beide Personen sind von der Kirche heiliggesprochen worden. Und noch mehr: die besonderen Offenbarungen der hl. Margareta führten schließlich zur Einführung des Herz- Jesu- Hochfestes (1856), zur Feier der Herz- Jesu- Freitage und am Vorabend zum Gebet der „Heiligen Stunde“ allmonatlich.

Wie stark diese neue Frömmigkeit in vielen Ländern aufgenommen wurde, zeigen die zahlreichen Herz- Jesu- Kirchen, die im 19. Und 20. Jahrhundert errichtet wurden. Eine besonders schöne Darstellung befindet sich in Nunkirchen. Das Altarfenster zeigt die Erscheinung Jesu vor Margareta M. Alacoque. 

Könnten wir den Gehalt dieser Verehrung wieder tiefer entdecken, auch für uns persönlich? Was seit dem 17.  Jahrhundert viele Christen zu einer Vertiefung ihrer Christus- Beziehung geführt hat, kann auch heute zu einer wirklichen Erneuerung des Glaubens beitragen!

Dazu einige Hinweise:

Die hl. Margareta sah das Herz Jesu wie entflammt – von den Flammen der Liebe. Diese Liebe schenkte der Heilige Geist auch ihr in ihr eigenes armes menschliches Herz. Die Liebe Jesu, seine göttliche Liebe, können wir nie ermessen. Und auch nicht von uns aus erwidern. Unsere Antwort ist die Umkehr, die Hinwendung zu Ihm und die Liebe zu den Mitmenschen, weil Gott uns zuerst geliebt hat.

Die hl. Margareta wurde aufgefordert, Jesus zu trösten, dessen Liebe von den Menschen so oft nicht erwidert worden war und wird, der verkannt, verachtet und schließlich zu Tode gebracht wurde. Auch unsere Liebe muss sich gerade dort bewähren, wo Menschen die Liebe Gottes zurückweisen.

Schließlich forderte der Herr seine Dienerin Margareta auf, ein Fest zur Verehrung seines Herzens einzuführen, um ihm Genugtuung zu leisten für all die Sünden und all das Böse, das Menschen gegen ihn verübt haben und immer noch verüben, was auch die Christen durch Lauheit, Oberflächlichkeit und Bosheit verüben. Diesen Auftrag konnte nicht eine unscheinbare Ordensschwester ausführen, sondern es war der Auftrag an die ganze Kirche.

An uns Christen liegt es, unsere Beziehung zu Christus zu vertiefen, sein Herz zu unserem Herzen sprechen zu lassen und uns durch seine Liebe umformen zu lassen. Wirkliche Erneuerung der Kirche kann nicht in einigen äußeren Reformen passieren. Das Böse, dass geschehen ist, und derzeit viele Christen dazu führt, sich von der Kirche abzuwenden, oder ihren Glauben verschämt zu verstecken, kann nur überwunden werden, wenn möglichst viele Christen sich dem Herrn wieder tiefer zuwenden, ihm in der Kirche dienen wollen, ihre Liebe zu ihm zeigen im Einsatz für ihre Mitmenschen, besonders für die Ärmsten und Schwächsten.

Bei seinem Besuch in der burgundischen Stadt Paray- Le- Monial 1986 sagte Papst Johannes Paul: Die Hl. Margareta Maria brannte durch die lebendige Flamme jener Liebe, die zu entzünden Christus in die Menschheitsgeschichte gekommen ist. Hier in Paray- le – Monial schien die demütige Dienerin Gottes – wie ehemals der Apostel Paulus – der ganzen Welt zuzurufen: „Wer kann uns scheiden von der Liebe Christi?“ (Röm 8,35). Von dort haben viele Christen, z.B. die charismatische Erneuerungsbewegung in Frankreich, die Emmanuel- Gemeinschaften, seither neue Kraft empfangen.

Herzlich Einladung auch an Sie alle zur Mitfeier des Herz- Jesu- Festes, der Herz- Jesu- Freitage und zur Anbetung des Herrn im hl. Sakrament!

Möge der Heilige Geist mit seinem Feuer besonders die Firmlinge berühren!

Gottes Segen durch diese Festtage, und für Ihren Alltag

Ihr Pastor Stefan Sänger