Geistlicher Impuls

Liebe Leserinnen und Leser!

Sie haben gerade ihren Alltag unterbrochen und lesen den Dezember-Pfarrbrief. Sie lassen die Tätigkeit für einen Moment ruhen mit der sie zuvor beschäftig waren. Unterbrechungen erleben wir öfters, ob gewünschte oder ungewollte in unserem Alltag. Unterbrechung lässt uns anhalten, stehenbleiben, innehalten, uns vergewissern, ob es auch anders geht und im besten Fall auch uns neu ausrichten. Die abrupte Unterbrechung von unserer Routine im Familien-, Berufs-, Gemeinde- und Vereinsleben im März hat uns aus der gewohnten Bahn geworfen. Plötzlich ging manches nicht mehr wie kurz zuvor. Pandemie – weltweit!

Krise bedeutet unter anderem Entscheidung. Die gezwungene Unterbrechung hat neue Entscheidungen verlangt, wie das Leben mit der Pandemie funktionieren und weitergehen soll. Und zu allem Erstaunen entwickelten sich mit der Zeit vielfältige Ideen in den Gemeinden, große Hilfsbereitschaft und Nachbarschaftshilfen und eine starke Solidaritätsbekundung mit den Schwächeren. Unterbrechung verhilft uns zu Neuausrichtung. Der Theologe und Autor Joh. Baptist Metz sagte: „Die kürzeste Definition von RELIGION ist UNTERBRECHUNG.“ Und der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer ermahnte, dass wir bereit werden müssen, uns von Gott unterbrechen zu lassen. Religion als Unterbrechung stellt mich, mein Denken und Handeln infrage: Wo stehe ich? Was trägt und erfüllt mich als Mensch und Christ? Was macht mich letztendlich aus? Steht eine Veränderung an, einen Perspektivenwechsel? Oder soll doch lieber alles beim Alten bleiben?

Ich sehe den synodalen Weg in unserem Bistum als solche heilvolle Unterbrechung bei der innegehalten, nachgedacht und schließlich miteinander um zukunftsfähige Schritte hin zu einer diakonisch-missionarischen Kirche gerungen wurde. Die Adventszeit, in der wir uns jetzt befinden, ist für mich eine einladende Unterbrechung vom Alltagstrott. Ich nehme mir Zeit zum Innehalten, Nachdenken und um mich inspirieren zu lassen von der Botschaft Gottes: Gott wird Mensch – auch in mir!

Eine besondere Erfahrung von Unterbrechung können wir von den Hirten auf dem Felde lernen, als sie mitten in der Nacht von den Engeln aus dem Schlaf gerissen wurden: zunächst erschraken sie, hörten zu, hielten inne und machten sich dann auf den Weg zum Stall und fanden: Josef, Maria und das Kind (Gottes Sohn) in der Krippe, so wie es die Engeln ihnen verkündeten. Sie ließen sich unterbrechen und wagten voll Vertrauen auf das Gehörte Schritte ins Ungewisse, das ihr Leben letztendlich aber zutiefst verändert hat. Lassen auch Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, hin und wieder unterbrechen, gerade jetzt in der Advent- und Weihnachtszeit und so sich öffnen für die Botschaft Gottes: Ich bin mit dir! Immanuel-Gott ist mit uns.

Gesegnete Advent- und Weihnachtszeit, 

Barbara Jung (Gemeindereferentin)