Geistlicher Impuls

Liebe Schwestern und Brüder,

ein komisches Foto, habe ich mir gedacht, und dann erst genau hingeschaut. Ein Ohr – und ein (flüsternder) Mensch, ganz nah an ihm. Mir ist dann die Geschichte von Sokrates wieder eingefallen. Sie stand im letzten Grußwort. Pastor Alt hat sie aufgeschrieben. Es lohnt sich, sie immer wieder zu lesen. Sie trägt die gute saarländische Überschrift: Haschde schon gehöörd? Dann geht es mit den völlig überflüssigen und meist bösartigen Geschichten „über andere“ in aller Regel los.

Die beginnende österliche Bußzeit lädt nun jeden einzelnen ein, zu hören, aber nicht auf die üblen Nachreden oder überflüssigen Mären über …. Eher z. B. darauf, wie Maria auf das Grußwort des Engels, das den Beginn der Menschwerdung Gottes ansagt, gehört hat.

Maria –  die Frau, die im entscheidenden Moment ganz Ohr ist für das, was ihr widerfährt. Wir feiern dieses offene Marienohr und ihre zum Ja-Wort geöffneten Lippen am 25. März! Öffne dich, guter Mensch, für das, was du dir nicht allein sagen kannst. Und sei „gehörsam“! hat mal jemand dazu geschrieben.

Vielleicht erinnert uns der 25. März, der Tag der Verkündigung des Herrn, auch daran, angesichts der vielen Lockrufe, die ungeschützt durch unsere Ohren in unser Inneres geraten und uns vergiften können, neu hinzuhören. Vielleicht erinnert er uns daran, selber ganz Ohr zu werden – nicht für die Märenträger, sondern das wirklich Wichtige, das uns gesagt wird.

Die Ohren haben ja eigentlich eine Randstellung, markieren eher die Gesichtsgrenze und werden oft nicht so bestimmend zum Gesicht gezählt wie Auge, Stirn, Wange, Nase, Mund, Kinn … Der auf diesem Foto von Thomas Wolter alles beherrschende Hörsinn verschmilzt surrealistisch mit den anderen Gesichtssinnen, diesen Einfallstoren für die Geräusche und Gerüche und Augenblicke der Welt. Wenn wir auch Mund und Nase im Zeichen der Pandemie bei vielen Alltagsbegegnungen verdecken, das Ohr und die Augen bleiben offen, auch für das österliche Geheimnis, bei dem uns „Hören und Sehen vergeht“. Den Dreh- und Angelpunkt des Glaubens, Jesus Christus, gibt es für uns in dieser Weltzeit nur zu hören, nicht zu sehen. Das Gesicht Jesu bleibt uns unbekannt. In diesem Sinne: Haschde schon gehöörd?

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Fastenzeit und BLEIBEN SIE GESUND!

Ihr Hans-Jürgen Bier