Geistlicher Impuls

Heute, in dieser Stunde, Kirche bist du lebendig oder bist du am Ende?

Bist du fertig oder feierst du neue Anfänge?“

Diese Fragen stellte sich der Jesuit und Widerstandskämpfer Alfred Delp SJ bereits im Jahr 1943 in einer seiner vielbeachteten Predigten. Ganz nüchtern und sachlich betrachtet müssen wir uns ehrlich eingestehen und eine Bestandsaufnahme sagt uns: Mensch der Kirche zu sein heißt heute einsam zu sein, fremd sein, die Fühlung mit vielen Dingen und den Anschluss an die vermeintlichen „Zeichen der Zeit“ verloren zu haben, missverstanden und falsch verstanden werden.

Mit vielen anderen Menschen – innerhalb, wie auch außerhalb der Kirche – frage ich mich deshalb: Wie viel Lebendigkeit steckt noch in der Kirche? Was bedeutet sie uns heute, hier bei uns, für Herz und Seele?

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir diesen wichtigen Fragen viel zu lange aus dem Weg gegangen sind, sie bewusst verdrängt haben und uns mit Nebensächlichkeiten und äußerlichen (Re-) Formen beschäftigt haben, die allesamt in Sackgassen enden. Nun, wo gewichtige Amtsträger der Kirche hierzulande das Ankommen an einem „gewissen toten Punkt“ attestieren, sind die Fragen plötzlich wieder wachgerufen.

Wir haben uns hingegen angewöhnt über all diesen existentiellen Fragen zu resignieren und zu lamentieren, ja, wir sind in vielen Bereichen als Kirche müde geworden, den guten Samen auszusäen. Gewiss, die Kirche wird nicht untergehen oder eines Tages einfach so verschwinden, weil sie letztlich ja aus dem großen Heilswillen unseres Gottes hervorströmt. Doch wir sollten uns bewusst machen, wodurch Kirche heute lebt, was sie lebendig werden lässt, sodass tatsächlich neue Anfänge sichtbar werden, dass aus ihnen Kirche gleichsam neu erwachsen kann, so wie aus dem kleinen Senfkorn einmal ein großer und mächtiger Baum erwächst. Das heißt aber auch, dass wir bestimmte Zerrbilder von Kirche wegwischen sollten, Zerrbilder die voller Missverständnisse sind, und die zur Zeit immer öfters, und mit immer heftigeren Bandagen gegeneinander ausgespielt werden. Die entscheidende Frage wird lauten: Wodurch lebt die Kirche? Damit sind durchaus wir selbst gemeint, die Kirche ist auf Menschen gebaut, sie wird aus seiner Entscheidung, seinem Ja geboren. Der Mensch ist Pfeiler und Mutterboden der Kirche. Deshalb wird die Kirche leben, wo immer der Mensch von Gott angerührt ist, in seinem Leben mit allen seinen Möglichkeiten und Grenzen. Aus dem Tod zum Leben kommen, das ist das Geheimnis der Kirche, das uns nur der Blick auf Jesus Christus erschließen kann. „Wenn uns diese große Bereitschaft nicht gelingt, wenn wir den Raum für den Herrgott nicht mehr erobern, dann hilft uns nichts mehr“ konstatiert Alfred Delp.

Bringen wir die Kirche miteinander zum Leben, indem wir die Müdigkeit und alles Resignieren überwinden, wenn wir unseren Herrgott wieder so persönlich lieben, dass wir bereit sind mit ihm die neuen Anfänge zu wagen.

Mit den besten Segenswünschen von Haus zu Haus

Ihr Kaplan

Kevin Schirra