Geistlicher Impuls

Liebe Leser,

 

am Sonntag, den 22.09.2019 findet der alljährliche Caritas-Sonntag im Bistum Trier statt. Und in jedem Jahr steht dieser Sonntag unter einem bestimmten Motto. In diesem Jahr lautet das Motto: „Hört einander zu“.

Dieses Motto ist ein Aufruf, der an uns alle ergeht: Wir sollen einander zuhören. Vielleicht denkt der ein oder die andere bei sich: das tun wir doch. Muss man uns dazu extra aufrufen?

Aber tun wir das wirklich: einander zuhören? Oder stellen wir bisweilen unsere Ohren nicht einfach auf Durchzug, so dass das Gehörte in das eine Ohr hinein und aus dem anderen schon wieder herausgeht? Manchmal lassen wir unser Gegenüber auch gar nicht zu Wort kommen, wir bewerten und urteilen zu schnell oder meinen, nach ein paar Worten schon eine Antwort auf die Fragen unserer Mitmenschen zu haben. Oder wir hören nur das, was wir hören wollen.

Manchmal ist es auch so, dass wir mit unseren Gedanken ganz wo anders sind, nur nicht bei dem, was unsere  Mitmenschen  uns gerade erzählen.

Ja, das Zuhören ist eine Kunst, die gelernt sein will. Zuhören ist ein komplexer Prozess in mehreren Schritten. Zuhören setzt voraus, dass der Zuhörer sich öffnet für das, was an ihn oder sie herangetragen wird und dass er sich darum bemüht, dem Redenden konzentriert zu folgen.

Zuhören bedeutet: sich ganz auf den Sprechenden einlassen, die Stimmlage des Sprechenden, seine Gestik und Mimik wahrzunehmen. Denn auch darin offenbaren sich dem Zuhörer Mitteilungen; man erfährt etwas über die Gefühle, die Einstellungen oder Befindlichkeiten des Sprechenden.

Für den Zuhörenden ist es natürlich auch wichtig, dass die Person, die redet, deutlich und verständlich spricht. Das, was gehört wurde, muss auch verarbeitet werden, so dass der Sinn des Gesagten erfasst werden kann.

Viele Missverständnisse und auch Streitigkeiten, viele Unannehmlichkeiten könnten vermieden werden, wenn wir besser einander zuhören würden.

Deshalb finde ich es gut, dass wir am Caritas-Sonntag nochmals dazu angeregt werden: „Hört einander zu“. 

Menschen brauchen Menschen, die ihnen zuhören, die ein offenes Ohr und ein offenes Herz für sie haben. Nicht nur Hungernde speisen und Dürstende tränken, nicht nur Unwissende lehren und Nackte bekleiden sind Werke der Barmherzigkeit, sondern auch das  gute Zuhören.

Um diese Fähigkeit des zuhören Könnens  sollten wir Gott bitten, so wie es schon König Salomo getan hat: „Verleih deinem Knecht ein hörendes Herz“ (1 Kön 3,9)

Peter Alt, Pfarrer

 

 

 

Das Schwierigste am Miteinander-Reden ist für viele nicht das Reden, sondern das Zuhören.

(Ernst Ferstl,*1955, österreichischer Lehrer, Dichter und Aphoristiker)

 

Mehr zu hören, als zu reden – solches lehrt uns die Natur:
Sie versah uns mit zwei Ohren, doch mit einer Zunge nur.

(Gottfried Keller 1819-1890, Schweizer Dichter und Romanautor)